Staatsverständnis und Menschenbild von Trump widersprechen US-Gründergeist

Die JU spricht sich im Dialog mit hochwertigen Referenten klar gegen Rassismus und ein Abgleiten von Demokratien in polarisierte Freund-Feind-Lager aus.

Kitzingen/Ufr. (dn) „Als JU stellen wir uns klar gegen Rassismus“, so die Kreisvorsitzende der Jungen Union Kitzingen Sabrina Stemplowski. Die jungen Christsozialen zogen es vergangenes Wochenende jedoch vor, statt symbolischer Demos mit realen Infektionsrisiken digital mit jungen US-Experten darüber zu sprechen, wie sie die Lage seit dem Corona-Ausbruch in den USA erleben und bewerten. Denn, so Moderator und JU-Bezirksvorsitzender Daniel Nagl: „Amerika ist heute für Europa ein abschreckendes Panoptikum!“ Der Kitzinger konnte mit dem 34-jährigen dt.-amerikanischen Lehrbeauftragten für Politikwissenschaft an der Universität Pittsburgh Dr. Michael Neureiter, dem 37-jährigen Referent für transatlantische Beziehungen bei der Hanns-Seidel-Stiftung Norman Blevins und dem 18-jährigen Karlstädter Tobias Becker, der bis März Austauschschüler in Connecticut war, hochwertige Gäste begrüßen.

Dr. Neureiter stellte zu Beginn fest, dass die USA, bis hin zu Fragen der öffentlichen Gesundheit, noch nie so polarisiert gewesen seien: „Es wurden Menschen aufgrund der Maskenpflicht erschlagen!“ Dass Trump lediglich die Rolle des Provokateurs beherrsche, verschärfe angesichts der Coronakrise und den anhaltenden Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt die Spaltung.

Jenseits des Präsidenten sieht der Deutschamerikaner Blevins die politische Landschaft der USA im Wandel. Im Kongress seien Maßnahmen verabschiedet worden, die zuvor über Jahrzehnte nicht einmal angedacht wurden, wie zeitlich befristet Lohnfortzahlungen und Medicare-for-all. Entgegen der Polarisierung werbe die Bewegung „Lincoln Republicans“ innerhalb der Republikaner dafür, Joe Biden zu wählen und fördere Kandidaten, die einen Mittekurs vertreten. Außerdem, so Blevins, „hat es den Anschein, dass „Biden sich ein „Team America“ mit neuem, weniger präsidentiellen Führungsstil aufbaut.“

Alle Gesprächsteilnehmer sorgten sich um die Demokratie in den Vereinigten Staaten. „Unter jungen Menschen wird Politik todgeschwiegen“, berichtete Becker. Blevins ergänzte: „Wenn ich mich in den USA politisch äußere, laufe ich heute Gefahr einen Teil meines Freundeskreises zu verlieren. Und es gibt Geschichten, dass Arbeitgeber Angestellte mit falscher politischer Haltung feuern. Das ist Gift für eine Demokratie, wenn man Angst haben muss, eine Meinung zu vertreten.“


In der aktuellen Lage erkennen die jungen US-Experten daher ein hohes Maß an Frustration und Desillusion. „Die Protestanten sehen ihre Aktionen als einzige Möglichkeit sich Gehör zu schaffen. Aber aufgrund eines sehr ausgeprägten Kurzzeitgedächtnisses beim amerikanischen Wähler werden weder Covid-19 noch die Proteste im Herbst ausschlaggebend sein, sondern einzig die wirtschaftliche Lage in den Wochen direkt vor der Wahl“, so Neureiter. „Beim letzten Mal gaben 78.000 Stimmen in den drei Swing-Staates um die Großen Seen den Ausschlag. Die entscheidende Rolle werden neben der wirtschaftlichen Lage Frauen und Junge spielen, wenn sie zur Wahl gehen, weil insbesondere Bernie Sanders diese Gruppen im demokratischen Lager überzeugen kann, Joe Biden zu wählen“, schätzte Blevins.

Entgegen einer Blitzumfrage der Jungen Union während des Gesprächs, nach der 71 Prozent mit einer Wiederwahl Trumps rechnen, sahen alle Gesprächsteilnehmer die Chancen „50:50“, wobei Blevins abschließend anfügte, es würde „nicht nur dem Seelenheil der USA, sondern auch der Republikaner dienen, wenn Trump nicht wiedergewählt wird. Die Republikaner könnten dann eine kritische Selbsterneuerung wagen. Denn dass, was sie an Staatsverständnis und Menschenbild über Trump in ihr Zentrum haben kommen lassen, widerspricht dem Gründergeist der USA.“

Hinweis: Das 60-minütige Gespräch kann unter fb.com/jungeunionunterfranken/ angesehen werden.

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