Krise als Chance für die Jugend der Parteien

Unterfranken (dn) Die einzigen Anlässe, bei denen Daniel Nagl aktuell mit mehr als einer Person zusammentrifft, sind die Einsätze als Helfer bei der Covid19-Testung in Kitzingen. „Das Virus bedroht die Gesundheit insbesondere von für Infarktgeschehen und Atemwegserkrankungen anfälligen Risikogruppen. Die notwendigen Präventionsmaßnahmen belasten viele Familien, die Kinderbetreuung organisieren bzw. von Kurzarbeit leben müssen und schädigen unseren Mittelstand trotz Ladenöffnung. Und Politik und Gesundheitssystem sind vor die Herausforderung gestellt, bei unklaren Lagen die Infektionszahlen nicht emporsteigen zu lassen“, bilanziert der 31-jährige Vorsitzende der Jungen Union Unterfranken und ergänzt: „Dies alles vor Augen, dürfen wir als Gesellschaft und politischer Verband aber nicht die Vogelstrauß-Taktik wählen. Wir müssen versuche, etwa bei der Digitalisierung gestärkt aus der Krise zu kommen!“ Für die Parteien, die sich in den letzten Jahren durch abnehmende Bindung und mancherorts übersehene Nachwuchsarbeit immer schwerer damit taten, in der Breite erfolgreiche Basisarbeit zu gestalten, bringe Corona neben enormen Herausforderungen auch neue Chancen.

Insbesondere die technisch agileren Jugendorganisationen – in den letzten Jahren bei den größeren Parteien zunehmend schwächer in den Parlamenten vertreten –  wissen diese Chance zu nutzen. „Bei uns sind vom Kreis- bis zum Landesausschuss digitale Sitzungen via Videokonferenz mittlerweile Standard“, berichtet die stv. Landesvorsitzende der Jungen Union Bayern Stefanie Hümpfner – via Skype aus den Haßbergen. Viele Mitglieder seien bei allen Einschränkungen regelrecht froh darüber, durch politische Arbeit ein Stück weit Normalität zu erleben, „auch wenn sich via Bildschirm zuprosten nicht das Gleiche ist, wie Anstoßen“ so Hümpfner lachend. „CSU-Bezirkschef Gerhard Eck macht als Krisenmanager im Arbeitsstab Corona der Staatsregierung einen richtig guten Job, aber in der Verbandsarbeit geht aktuell die Jugend vorweg“, so die Vorsitzende der Jungen Union im Kreis Kitzingen Sabrina Stemplowski.

Neben digitalen Sitzungen experimentierte die JU am Main mit verschiedenen Veranstaltungsformaten. Nach dem Motto „auf‘m Netbook statt im Nebenzimmer“ einfach zu organisieren sei das klassische Hintergrundgespräch. Hierzu reiche es, wie das Gespräch am 18. April mit Paneuropa-Präsident Bernd Posselt zeigte, auf Plattformen wie Skype, Webex oder Zoom eine Konferenz zu eröffnen und den Link zu verschicken. „Dann können bei einer unterfränkischen Veranstaltung auch entspannt Gäste aus Schwaben und Altbayern sitzen. Die JU Bayern und auch die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung geben aktuell echt Vollgas, um den Menschen neben der medialen Krisenberichterstattung auch spannende Hintergrundgespräche zur aktuellen Lage oder über den Tag zielenden Fragen zu präsentieren. So niedrig wie jetzt war die Schwelle, mit Spitzenpolitikern ins Gespräch zu kommen oder sich in eine Partei einzubringen vermutlich noch nie“, freut sich Nagl.  

Darüber hinaus entwickelte der Kommunikationswissenschaftler zusammen mit dem 2019 bestellten IT-Beauftragten der JU Unterfranken Daniel Koppe (Nagl: „Meine bislang weitsichtigste Entscheidung!“) und Tobias Becker, der vor der Rückholung seinen Karlstädter Kommunalwahlkampf aus den USA bestritt und dort Videopodcasts für die JU erstellte, ein neues Format. „Wir haben da eine richtige kleine Talkshow mit Bildregie, Videoeinspielungen und Einbindung der Zuschauer hingestellt, die mit maximal drei Gästen von überall auf der Welt als Live-Stream funktioniert“, so Becker. Neben der JU Unterfranken bietet lediglich die Junge Union Deutschland mit der hauptamtlich produzierten Deutschland-hält-zusammen-Schau ein ähnliches Format.

Nach den ersten Ausgaben zum christlich-jüdischen Abendland mit ZWST-Direktor Aron Schuster (WÜ) und dem angehenden Priesterseminarist Nicolas Schmitt (SW) am 17. April sowie zum Verhältnis von Corona, Digitalisierung und Gesellschaft mit Staatsministerin Judith Gerlach (AB), Soziologie-Professor Joost van Loon (KU Eichstätt-Ingolstadt) und der PWC-Beraterin Christina Henke (AB) am 24. April (hier abrufbar) laden am 29. April die jungen Frauen der JU Unterfranken zum „digitalen Mädelsabend“ mit Cocktail und CSU-Gesundheitspolitikerin Emmi Zeulner (Infos hier). Am 16. Mai wird sogar das traditionelle Europaseminar der JU Unterfranken als 60-minütige Talkshow live ins Netz verlegt. „Wir hoffen zwar, spätestens im September wieder „normale Events“ organisieren zu können, aber aus der aktuellen Zeit können wir, bei aller Sorge um Gesundheit und eine nachhaltig faire Finanzierung der jetzt anfallenden Kosten, auch Einiges mitnehmen. Vielleicht ist also doch etwas dran an der Phrase von der Krise als Chance“, zeigt sich Nagl optimistisch.

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