JU fordert bei Kinderarztversorgung mehr Anstrengungen auf kommunaler Ebene

Unterfranken (dn) Anfang März veröffentlichte die KVB die ärztliche Versorgungssituation, nachdem die Bedarfsplanung auch auf politischen Druck hin zum Jahreswechsel reformiert wurde. Bayernweit profitieren ländliche Regionen von neuen Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte (144), Fachärzte (206,5) und Psychotherapeuten (117), die aus dem Kassenhonorar für bereits niedergelassene Ärzte finanziert werden. „Vielleicht ist dies auch der Grund für die kurze Bewerbungsfrist von kaum acht Wochen, die dazu führt, dass sich vielerorts nur bereits mit „halber Zulassung“ niedergelassene Ärzte auf die neuen Sitze bewerben“ kommentiert der Bezirksvorsitzende der Jungen Union Daniel Nagl (31) aus Kitzingen und ergänzt: „Auch da in vielen Kommunen Räumlichkeiten und Beschäftigungsmodelle für Neuansiedlungen fehlen.“

„Als Junge Union haben wir natürlich besonders die Interessen junger Menschen und Familien im Blick und damit die Kinderärzte“, so die Kitzinger JU-Kreisvorsitzende Sabrina Stemplowski (33). Für unterfrankenweit rund 208.000 Minderjährige sieht die neue Bedarfsplanung 83 Kinderärzte vor; eine Zählung ergibt 105. „Durchschnittlich sind wir in Unterfranken bei Kinderärzten also leicht überversorgt“, bilanziert Nagl, verweist jedoch darauf, dass gut ein Viertel der Kinderärzte 60 Jahre oder älter ist. „Eine Chance“, findet Stemplowski. Denn während die urbanen Zentren Unterfrankens Würzburg (181%), Aschaffenburg (135%) und Schweinfurt (106%) eine deutliche oder leichte Überversorgung aufweisen, sind die ländlichen Region unterversorgt. „Mit 87% Prozent hat Kitzingen die rote Laterne bei der Kinderarztversorgung. Wir sind zwar als junge CSU keine Freunde der Umverteilung, aber bei den Kinderarztsitzen wäre es langfristig angebracht – vor allem, wenn man weiß, dass in Würzburg-Stadt mit 16.000 kaum mehr Minderjährige leben als im Kreis Kitzingen mit 15.000“, so Stemplowski.

Auch wenn durch die Reform der Bedarfsplanung weitere Niederlassungen in unterversorgten Regionen möglich werden, müssen sich erst (Fach-)Ärzte finden. „Insgesamt kommen dabei zwei Trends erschwerend zusammen“, so Nagl, der die Thematik „Arztversorgung“ in den letzten Jahren als Abgeordnetenreferent verfolgte: „Zwar sind Niederlassungen im ländlichen Raum durchaus wirtschaftlich. Aber die Mehrheit der angehenden Mediziner ist weiblich und hat, wohl auch im Hinblick auf Familiengründung und Worklife-Balance, immer weniger Lust auf Selbstständigkeit.“ Landespolitisch wurde daher einiges angestoßen und mit Niederlassungs- und Filialpraxisförderung in Höhe von 60.000 beziehungsweise 15.000 Euro sowie Studienplatzquote und 28.000-Euro-Stipendien für junge Medizinstudenten, die sich verpflichten mindestens fünf Jahre im ländlichen Raum zu wirken, reagiert.

Aber auch Kommunen und Kreise müssten sich im Kampf um Ärzte als wichtige Standortfaktoren strecken. Nagl verweist auf die Stadt Parsberg im Kreis Neumarkt, Oberpfalz. Dort schlossen sich 25 Mediziner und die Kreisklinik zu einer GmbH zusammen, um junge Kinderärzte zum Erhalt des Sitzes und damit der Versorgung im ländlichen Raum anzustellen. Die Kommune stellt als Vermieter passend sanierte Räumlichkeiten. „Man kann schon junge Mediziner mit dem Bus durch einen Kreis fahren, um sie für den ländlichen Raum zu gewinnen. Damit’s funktioniert braucht es auf kommunaler Ebene aber eine aktive Boden- bzw. Immobilienpolitik und eine anschiebend-koordinierende Unterstützung von gewünschten Beschäftigungsmodellen“ so Nagl.

Hintergrund: Die medizinische Versorgung ist, anders als von vielen vermutet, in Deutschland nicht staatlich organisiert, sondern erfolgt durch Mediziner, Kliniken und Krankenkassen in Selbstverwaltung. In der Vergangenheit wurde die Niederlassungsfreiheit von Ärzten und Fachärzten eingeschränkt. Seither entscheidet die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) mit Blick auf die im Planungsbereich bereits niedergelassenen Ärzte, ob weitere Sitze vergeben werden.

Planungsbereich Versorgung Minderjährige (gerundet, 12/19)
Würzburg (Stadt) 181% 16.000
Aschaffenburg 135% 39.400
Schweinfurt 106% 27.500
Bad Kissingen 90% 15.800
Hassberge 93% 14.000
Kitzingen 87% 15.000
Main-Spessart 95% 19.500
Miltenberg 87% 21.000
Rhön-Grabfeld 87% 13.000
Würzburg-Land 89% 27.000


Quelle: KVB

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