Wohin geht die Reise beim ÖPNV in Mainfranken?

Volkach (dn) Der ÖPNV in Mainfranken steht in den nächsten Jahren vor größeren Veränderungen. Zum einen führen die Kreise der Region Würzburg das 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende ein. Zum andern soll sich 2021/22 der VVM selbst verändern und unter dem Dach der Nahverkehrsbetriebe Mainfranken GmbH (NVM) geführt werden. Und schlussendlich steht die bislang vorwiegend touristisch genutzte Bahnstrecke Seligenstadt-Astheim nach dem Einsatz der CSU-Abgeordneten Barbara Becker und JU-Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart vor einem Comeback – attraktive Busverlängerung via Gerolzhofen nach Schweinfurt denkbar. Grund genug, für JU-Bezirksvorsitzenden Daniel Nagl den, passend zur Verkehrsdebatte mit dem Rennrad anreisenden, NVM-Geschäftsführer Christopher Alm zum „Mobilen Hintergrundgespräch in die Mainschleifenbahn“ einzuladen.

Ziel des NVM sei es, zum 1. August 2022 den Nahverkehr in den Städten Schweinfurt und Würzburg, sowie den Kreisen Schweinfurt, Würzburg, Rhön-Grabfeld, Haßberge, Bad-Kissingen, Mainspessart und Kitzingen mit einem gemeinsamen Ticket zu ermöglichen. Simon Rinke, CSU-Ortsvorsitzender in Volkach, forderte hier mit der Zeit zu gehen und E-Ticket-Lösungen für den Verbund anzubieten. Ein solches werde angestrebt. Mit Blick auf die ebenfalls im VGN beteiligten Kreise HAS und KT müsse es jedoch in jedem Fall eine mit anderen Verkehrsverbünden kompatiblen Kartenlösung geben, so Alm.

Spannend werde auch die Frage, welcher Verkehrsunternehmer dann welchen Anteil an den Einnahmen des Verbundes erhält. Denn: mit Blick auf den Status quo prallen zwei Ansätze, Öffentlichen Personennahverkehr zu denken, aufeinander. Der Schweinfurter Raum ist geprägt von eigenwirtschaftlichen Verkehrsunternehmungen, die ohne Zuschüsse die Strecken bedienen. Die politische Einflussmöglichkeit zur Verbesserung des ÖPNV ist hier stark begrenzt, die Einführung des 365€-Schülertickets nicht möglich. Anders im Verbundsystem um Würzburg. Hier agieren Brutto-Auftragsunternehmen nach den Wünschen der Landkreise als Aufgabenträger. Das macht den ÖPNV hier teurer, sichert jedoch gestaltenden Einfluss der Politik. Langfristig werde sich wohl der gesamte neue NVM-Raum zu einem solchen Verbundsystem entwickeln, so Alm.

Auf die Frage der Kitzinger JU-Kreisvorsitzenden Sabrina Stemplowski, warum man im VGN diverse Erweiterungen und eine attraktive Preisgestaltung deutlich zügiger umgesetzt bekomme als in Mainfranken, antwortete Alm: Der NVM sei personell schmal konstruiert. Deshalb könne man anders als der VGN Aufgaben, wie notwendige Verkehrserhebungen nicht selbst erledigen, sondern müsse europaweit ausschreiben. Dies verlangsame Prozesse.

Auch wenn für die konkrete Fahrplangestaltung die Kreise als Aufgabenträger Verantwortung tragen, wagte Alm auf die Frage des stellvertretenden JU-Bezirksvorsitzenden Michael Kohl (Aschaffenburg), wie ÖPNV im ländlichen Raum gestaltet sein müsse, damit er angenommen werde. Wo der ÖPNV mehr als 50 Prozent langsamer sei als das Auto, werde er nicht angenommen. „Man wird sich deshalb von großen Schleifen verabschieden müssen und Hauptorte mit Stichstrecken verbinden. Danach müssen vor Ort Lösungen gefunden werden mit einem Bus-, Rufbus oder Taxisystem.“

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